Wie du einen Trainingsplan für dein Pferd erstellen kannst

Ich muss dir gestehen, dass auch ich lange ohne Plan geritten bin.

 

Ich bin geritten um zu reiten.

 

Du gehst in die Reitstunde und verbesserst deine Techniken, aber keiner sagt dir wie du
die Woche am Besten gestaltest. Oder wie du Kraft und Ausdauer für ein
bestimmtes Ziel aufbauen kannst.

 

Wenn du ein bestimmtes Ziel hast macht es Sinn dein Training zu planen.

 

Muskelkater ist kein gutes Zeichen! Es ist auch kein Anzeichen das Gleiche Training zu
wiederholen!

 

Muskelkater tut weh!!!

 

Dein Pferd versteht nicht woher es kommt. Es hat einfach Schmerzen und soll so
wieder locker und schwungvoll am nächsten Tag laufen? Bei Muskelkater sind
kleinste Fasern in der Muskulatur verletzt. Diese müssen heilen. Nur durch Pausen
kann ein Muskel an Kraft hinzugewinnen.

 

Wenn dein Pferd nicht so gut läuft, dann reitest du halt so lange bis es locker ist. Oder
denkst:“ Der ist heute frech.“ „Mein Pferd will mich heute ärgern.“

 

Kennst du diese Aussagen?

 

Du kannst diesen Frust bei dir und deinem Pferd vermeiden, wenn du weißt wie
Training funktioniert.

 

In diesem Artikel möchte ich dir die Grundlagen der Trainingslehre übermitteln und dir zeigen wie du einen Trainingsplan für eine Woche erstellst. Du lernst wie du mit weniger Training schneller zum gewünschten Ziel kommst, weil du einen Plan hast

 

Trainingslehre

 

Schau dir einmal dieses Bild an. Es zeigt was durch Training im Muskel passiert

 

Wir setzten durch das Training einen Reiz, der eine Ermüdung des Muskels zur Folge
hat. Das bedeutet, dass der Muskel erstmal weniger Kraft hat als zuvor.

 

Wenn kein weiterer Trainingsreiz kommt erhöht der Muskel in der Pause seine Kraft
und bereitet sich auf ein erneutes Training vor. Diese Erhöhung nennt man
Superkompensation. Folgt in dieser Zeit kein weiterer Reiz senkt der Muskel
seine Kraft auf das Ausgangsniveau zurück.

 

Der Reiz des Trainings muss hoch genug sein um eine Ermüdung auszulösen. Nur dann erhöht
der Muskel auch seine Kraft. Um die richtige Reizintensität zu erkennen, musst
du den Leistungszustand deines Pferdes kennen. Es hängt auch vom Alter und der
Rasse deines Pferdes ab. Ist der Reiz allerdings deutlich zu hoch schädigt er
das System.

 

Kommt ein erneuter Reiz in der Ermüdungszeit, dann verschlechtert sich der Muskel. Das sieht dann so aus:

 

Daraus kannst du schließen, dass zu viel Training dem Muskel schadet und er nur in den Pausen aufbauen kann. Es ist allerdings möglich mehre Trainingsreize hintereinander zu setzen und danach eine längere Pause zu machen. Die Superkompensation ist dann umso höher. Das passiert zum Beispiel bei Lehrgängen oder Turnieren.

 

Setzt du allerdings immer einen Reiz, wenn der Muskel die Superkompensation erreicht hat erhöht sich auf Dauer das Ausgangsniveau.

 

Ist die Pause bis zum nächsten Training zu lange, dann kehrt der Muskel immer wieder zum Ausgangsniveau zurück. Du erhälst so dein Trainingseffekt, erreichst aber keine Leistungssteigerung.

 

Jetzt weißt du erst mal was grob passiert. Du fragst dich bestimmt, wann der richtige
Zeitpunkt ist. Ich kann dir dabei einen groben Richtwert geben.

 

Ausdauertraining kann täglich betrieben und sogar leicht gesteigert werden. Ausdauertraining
sollte beim Reiten ohne Lektionen stattfinden. Natürlich kannst du das ein oder
andere Verlangen um dein Pferd locker zu reiten. Aber sobald du wieder gezielt
an der Versammlung oder anderem arbeitest ist es kein reines Ausdauertraining
mehr. Lasse dein Pferd einfach unter dir Joggen. Eine gewisse Grundausdauer ist
für jedes Pferd wichtig. 1- 2 Stunden Gelände kann für ein untrainiertes
Boxenpferd sehr anstrengend sein. Ausdauer ist die Grundlage für jedes weitere
Training.

 

Krafttraining hingegen sollte mindestens zweimal bis maximal dreimal pro Woche stattfinden.
Mindestens zweimal, damit der Abstand nicht zu lange ist. Nach dem
Krafttraining kannst du deinem Pferd einen Tag Pause auf der Koppel oder bei
einer gemütlichen Schrittrunde geben. Oder du machst reines Ausdauertraining.

 

Jetzt kommt es noch darauf an wie stark der Reiz sein sollte. Dafür ist natürlich
sehr wichtig, dass du weißt auf welchem Ausgangsniveau dein Pferd ist. Du
solltest wissen, wie lange du am Stück Traben und Galoppieren kannst. Ziehe bei
deinem nächsten Ritt eine Uhr an und schreibe es dir auf. Dann solltest du auch
wissen was du gezielt trainieren willst. Möchtest du an der Versammlung
arbeiten, die Sprungkraft verbessern oder spezielle Lektionen deiner Reitweise
trainieren? Lektionen sind immer mit Kraftaufwand für das Pferd verbunden.

 

Du musst wissen was deinem Pferd schwer fällt und an was du arbeiten möchtest. Am Besten
schreibst du dir alles auf. Dann kannst du ein paar Wochen später besser vergleichen,
sonst geht der Fortschritt unbewusst an dir vorbei.

 

Der Reiz sollte hoch genug sein um eine Ermüdung im Muskel auszulösen. Aber nicht zu
hoch, damit der Muskel keinen Schaden nimmt. Muskelkater ist nämlich keine Übersäuerung
des Muskels, sondern kleine Einrisse in der Muskulatur, die heilen müssen.

 

Das Training sollte etwas anstrengend sein. Da du dein Pferd nicht fragen kannst,
ist das die Kunst des Reiters sein Pferd gut zu kennen. Allerdings solltest du
immer etwas mehr machen wie beim letzten Mal. Wenn du merkst, dass dein Pferd langsam
müde wird, wiederhole die Lektion noch einmal konzentriert und lasse es dann
gut sein. Mann muss schon in die Anstrengung gehen, sonst ist der Reiz zu
gering und der Effekt der Superkompensation findet nicht statt.

 

Lieber nutzt du 2-3 Tage intensiv als Krafttraining, als jeden Tag ein bisschen von
deinem Pferd zu verlangen. Mit intensivem konzentriertem Training kommst du
schneller ans Ziel und sparst Zeit.

 

Eine Sache solltest du noch beim Krafttraining verstehen. Es ist wichtig immer die Dauer bzw. die Wiederholung zu erst zu steigern. Erst danach solltest du die Intensität mit einer geringeren Dauer erhöhen. Du übst zum Beispiel versammelter Trab und schaffst ohne Anstrengung 1 Minute. Dann steigerst du die Dauer auf 2 Minuten. Erst ein bis zwei Trainingseinheiten später kommt dann der versammelte Galopp dazu, wieder mit einer Minute.

 

Wichtig ist auch noch zu wissen, wie schnell die Ausdauerleistung nachlässt. Nach 14
Tagen ohne Training beginnt der Abbau der Ausdauerleistung. Nach zwei Monaten
ohne Training ist der größte Teil der Ausdauerleistung abgebaut. Das solltest
du beachten, wenn dein Pferd verletzungsbedingt einige Zeit ausfällt.

 

Wenn du nach einer Verletzungspause wieder mit dem Training beginnst, baue immer zuerst
die Grundausdauer wieder auf.

 

Trainingsplan erstellen

 

Mein praktischer Vorschlag für dich: Erstelle einen Trainingsplan für die Woche. Ein
Plan hilft dir dabei schneller dein Ziel zu erreichen, da er dir einen Rahmen
gibt.

 

Zuerst schreibst du dir dein Ziel auf wie z.B. ein bestimmtes Turnier, einen
Wanderritt, Jagd Ritt, …

 

Ziel:

Turnier in 5 Wochen, 15 Minuten Trab ohne Pause und 15 Minuten Galopp ohne Pause.
10 Sprünge ohne Pause in Höhe 1,20 m oder Seitengänge im Galopp. Schreibe auf,
was zu deiner Situation passt.

 

Ausgangsposition:

 

5 Minuten Trab und Galopp ohne Pause, 10 Sprünge ohne Pause 1.10m oder
Seitengänge im Trab oder Schritt gut möglich

  • Montag:
    Ausdauertraining 5 Minuten
  • Dienstag:
    Krafttraining evtl. innerhalb einer Reitstunde, z.B. Seitengänge im Trab
  • Mittwoch:
    freie Bewegung, Ausdauertraining 6 Minuten oder Pause auf der Koppel,
    Führmaschine, etc.
  • Donnerstag:
    Ausdauertraining 7 Minuten bzw. 6 Minuten, wenn Mittwoch Pause war
  • Freitag:
    Krafttraining wie z.B. 13 Sprünge ohne Pause bei 1.10m Höhe
  • Samstag:
    freie Bewegung, Ausdauertraining 8 Minuten oder Pause auf der Koppel, Führmaschine,
    etc
  • Sonntag:
    Je nachdem wie es in der nächsten Woche aussieht kannst du hier frei
    entscheiden ob du ein weiteres Krafttraining oder Ausdauertraining machst

 

Du kannst den Plan ganz individuell erstellen. Gestalte ihn so wie du Zeit hast. Du
solltest dich nur an die Grundregeln halten.

 

Hier nochmal eine kleine Zusammenfassung:

  • Ausdauertraining ist täglich möglich
  • Krafttraining mindestens 2-mal bis maximal 3-mal pro Woche
  • Immer die Dauer vor der Intensität steigern
  • Setzte dir ein Ziel
  • Schreibe auf was dein Pferd bereits mit geringer Anstrengung schafft
  • Der Reiz des Trainings muss hoch genug sein, damit die Superkompensation
    stattfindet
  • Baue Pausen ein, denn dabei wächst die Muskulatur
  • Der Reiz darf nicht zu hoch sein, damit der Muskel nicht geschädigt wird

 

Jetzt liegt es an dir meine Tipps umzusetzen um für deine nächste Herausforderung bestens vorbereitet zu sein. Viel Spaß beim Umsetzen des Trainingsplans.

 

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Die Zukunf deines Pferdes liegt in deiner Hand.

 

Deine Verena

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