Sehnenschaden beim Pferd! Verstehe die Anatomie der Sehne und was es für die Heilung bedeutet.

Mein eigenes Pferd hatte auch schon einen Sehnenschaden.

Dabei tauchten immer wieder die gleichen Fragen in meinem Umfeld auf.

 

Wie sieht denn so eine Sehne aus?

Wo befindet sie sich?

Was hat das mit dem Muskel zu tun?

 

Manchmal ist etwas für einen selbst so selbstverständlich, dass man ganz vergisst, dass es nicht jeder weiß.

Aus dem Grund möchte ich die aus meiner Sicht wichtigsten Eigenschaften von Sehnen, Muskeln und Bänder zusammenfassen.

 

Das Wissen hilft, in meinen Augen, mehr Verständnis für die Heilung zu haben und die nötige Geduld in so einem Fall aufzubringen.

 

Die wichtigste Botschaft, die ich in diesem Artikel teilen möchte ist:

Sehne und Muskel sind eins!!

 

Das Bindegewebe, bzw. die Faszien ziehen sich komplett durch von der einen zur anderen Sehne. Der Muskelbauch hat die meisten Anteile an kontraktilen Strukturen = Strukturen die sich zusammenziehen und wieder entspannen können.

 

Auf diesem Bild siehst du ein Querschnitt der Muskulatur:

Querschnitt eines Muskels

 

Jede Muskelfaser ist umhüllt von einer Faszie. Und jede Faszie geht in die Sehne über.

Wie bei einem langgezogenen Kaugummi.

Aber auch in den Sehnen finden sich unter dem Mikroskop kleine Anteile dieser kontraktilen Strukturen.

 

Auf dem Bild siehst du nur ein einfacher Muskel mit einer Ansatz- und einer Ursprungssehne. Diese verbinden sich mit dem Knochen. Verkürzt sich nun der Muskel zieht die Sehne den Knochen mit und ermöglicht so eine Bewegung.

 

Die Sehne kann an unterschiedlichen Stellen geschädigt werden.

  • Direkt am Knochenansatz
  • Mittig zwischen Ansatz und Übergang zum Muskelbauch
  • Am Übergang zum Muskelbauch

 

Trotzdem bedeutet eine Verletzung der Sehne auch immer eine Einschränkung der Muskelfunktion, da Muskel und Sehne nur als Einheit funktionieren.

Ist die Sehne verletzt, dann schmerzt es den Muskel anzuspannen, da er ein Zug auf die Sehne ausübt.

 

Die logische Folge:

Die Schonung des Muskels, bzw. der Zug an der Sehne. Beim Pferd eine Lahmheit.

 

Wird der Muskel weniger genutzt, wird er schlechter durchblutet. Die Muskelfasern können sich verspannen oder gar verkürzen.

Die Sehne wird immer sehr wenig durchblutet, da sie hauptsächlich aus starkem Bindegewebe, den Faszien, besteht.

 

Genau diese Besonderheit führt dazu, dass Sehnen einen langsamen Heilungsverlauf haben.

Die Lahmheit und Schonung einer Gliedmaße führt automatisch dazu, dass andere Gliedmaßen vermehrt belastet werden und sich das Pferd in einem anderen Bewegungsablauf wie gewohnt bewegt.

Aus dem Grund ist es immer sinnvoll nach einer längeren Verletzung das Pferd durch einen Pferdeosteopathen oder anderen Therapeuten untersuchen zu lassen. Dann kannst du nach der Verletzung optimal in dein Training starten.

 

Warum ist die Durchblutung so wichtig für die Heilung?

Das Blut ist unser Transportmittel.

 

Ist eine Sehne verletzt sind Zellen zerstört worden. Diese müssen abtransportiert werden und der Körper muss dann neue Zellen herstellen und die Wunde verschließen.

Das Blut transportiert die geschädigten Zellen ab und bringt alle wichtigen Nährstoffe, um eine Zellteilung zu ermöglichen.

Diese geteilten Zellen müssen dann wieder die Festigkeit bekommen, die die Sehne für eine optimale Funktion benötigt.

 

Ein sehr wichtiger Stoff, der ebenfalls über das Blut transportiert wird ist der Sauerstoff.

 

Dieser ist sehr wichtig für die Heilung, da er der Brennstoff für den Stoffwechsel in jeder einzelnen Zelle ist. Sauerstoff transportiert außerdem auch wichtige Nährstoffe. Bei der Verbrennung entsteht Energie, die der Körper für die Heilung braucht. Sauerstoff transportiert auch wichtige Nährstoffe, wie z.B Eisen.

 

Das ist auch der Grund warum kein Pferd mit einer Sehnenverletzung komplette Boxenruhe bekommt. Abgesehen vom Koller den die Pferde bekommen können.

Bewegung regt die Durchblutung an und sorgt dafür, dass der Abfluss der Lymphflüssigkeit funktioniert. Also eine Schwellung vermieden wird.

 

Es gibt verschiedene Möglichkeiten die Durchblutung anzuregen. Eine davon ist das BEMER Horse Set.

Wie der BEMER mein Pferd mit einer Sehnenverletzung unterstützen konnte, kannst du in diesem Artikel nachlesen.

 

Keine Verletzung kommt plötzlich

 

Auch wenn es uns manchmal so vorkommt. Kommt keine Verletzung plötzlich.

 

Mindestens 6 bis 9 Monate vor erkennbaren Symptomen beginnt die Erkrankung.

 

Still und heimlich hat jeder Körper seine Schwachstellen. Kommt dann noch der eine falsche Tritt oder eine ungünstige Landung nach dem Sprung dazu, dann ist es passiert.

 

Gut. Eine Ausnahme gibt es:

Ein Sturz oder ein Tritt eines anderen Pferdes. Das ist wirklich eine akute Verletzung, die völlig gesunde Anteile treffen kann.

Trotzdem gilt, zuerst gibt das Gewebe nach, dass sowieso geschwächt ist.

 

Genau aus dem Grund ist die Prävention so entscheidend!

 

Zur Prävention zählen für mich:

  • Korrektes Reiten
  • Gutes Futter
  • Entspannungsmöglichkeiten
  • Kontakt zu Artgenossen
  • Wissen des Reiters

 

Wir können nicht einfach erwarten, dass eine Verletzung, die schon vor mindestens einem halben Jahr begonnen hat, in ein paar Wochen komplett heilt.

Grundsätzlich gilt umso besser die Durchblutung umso besser die Heilung.

 

Leider gibt es auch Pferde bei denen sich eine Sehnenverletzung ständig wiederholt. Oft betrifft das den Fesselträger.

 

Der Grund kann sehr vielfältig sein. Meist ist er aber nicht dort, wo jeder das Problem vermutet. Es können natürlich angeborene Fehlstellungen sein, schiefe Hufe, zu langes Reiten auf tiefem Boden oder auch Probleme in der Wirbelsäule.

 

Bei meinem Pferd war das ähnlich. Er hatte immer wieder vorne rechts Probleme.Jedes Mal an einer anderen Stelle. Zuerst die tiefe Beugesehne, dann die Bizepssehne und zuletzt eine Lahmheit ohne Befund.

Bis wir endlich die Halswirbelsäule untersucht haben und sich eine Arthrose mit Nervenreizung zeigte.

 

Diese Arthrose kann den Nerv reizen, der für die Versorgung des rechten Vorderbeins zuständig ist. Dadruch ist dieses Bein in seiner Funktion geschwächt und es wurde anfällig.

 

Sehne und Band, darin liegt der Unterschied

 

Manchmal kommt noch die Frage auf. Was ist der Unterschied zwischen einer Sehne und einem Band?

Eine Sehne ist eine Einheit mit dem jeweiligen Muskel und hat die Funktion die Bewegung zu ermöglichen, indem sie sich mit dem Knochen verbindet.

Ein Band hat immer eine Haltefunktion.

Die Sehnen verbinden die Knochen und ziehen über die Gelenke. Damit sie in ihrer Spur bleiben halten sie die Bänder.

Sehne und Haltebänder

 

Die Bänder können aber auch Knochen miteinander verbinden ohne eine Sehne zu fixieren. Zum Beispiel am Ellbogengelenk. Sie unterstützen die Gelenke mit ihrer Haltefunktion.

Bänder am Gelenk

 

Die Bänder bestehen aus sehr festem Bindegewebe und bleiben in ihrer Form immer gleich. Bänder sind auch sehr schlecht durchblutet und langsam in der Heilung. Bei einem komplett gerissenen Band finden die Enden meist nicht mehr zusammen und eine Heilung ist so nicht möglich.

 

Nochmal kurz zusammengefasst:

  • Die Muskelfasern sind gut durchblutet und untrennbar mit der Sehne verbunden
  • Die Sehne ist weniger durchblutet, besteht aus den weitergeführten Faszien des Muskels und verbindet sich mit dem Knochen
  • Die Bänder verbinden immer zwei Knochenanteile und bieten Halt für Sehnen und Gelenke

 

Ich hoffe du hast jetzt eine bessere Vorstellung davon wie es in deinem Pferd aussieht und warum eine Sehnenverletzung immer langwierig ist.

Alles im Körper hängt miteinander zusammen und jede Verletzung hat eine Auswirkung auf den gesamten Körper.

 

Warst du selbst schon mal verletzt?

 

Zum Beispiel eine Bänderüberdehnung am Fuß, mit der du ein paar Tage herum gehumpelt bist. Tat dir dann der Rücken weh?

Oder hast du dich allgemein unwohl gefühlt und warst unzufrieden?

 

Genauso geht es deinem Pferd auch.

 

Bei einer Sehnenverletzung brauchst du einfach Geduld und Durchhaltevermögen.

Deshalb besser vorbeugen als heilen.

 

Trotzdem kann es jeden treffen.

 

Hast du noch Fragen? Dann schreibe sie in die Kommentare. Ich werde jede so gut ich kann beanworten.

 

Die Gesundheit deines Pferdes liegt in deiner Hand

 

Deine Verena

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